Meine Verletzlichkeit ist meine größte Stärke

Frei

Momentan sind Perfektionismus und Verletzlichkeit ein großes Thema für mich. Angeregt durch Brené Brown schaue ich gerade, was der Perfektionismus in meinem Leben bewirkt hat. Eine große Erkenntnis dabei war, dass er vor allem von Angst getrieben ist. Die Angst, negativ aufzufallen, skeptisch angeschaut zu werden oder nicht dazuzugehören. Aus dieser Angst heraus habe ich meine ganze Jugend und den Beginn meiner Arbeitslaufbahn damit verbracht, ein perfektes Bild abzugeben. Dabei hatte mein Körper nichts mehr zu melden. Doch abgesehen von meinen eigenen daraus entstehenden Zwängen: was habe ich den Menschen angetan, denen ich vermittelte, sie dürften ebenfalls keinen Fehler zulassen? Oder wie habe ich die Menschen verletzt, die ich selbst mied, aus Angst, sie könnten hinter mein Geheimnis kommen und mich verletzlich und unperfekt sehen – mich sehen, wie ich bin.

Doch wonach sehnte ich mich die ganze Zeit? Nach Zugehörigkeit. Nach Wertschätzung. Nach Liebe. Nach tiefen Beziehungen. Danach: angenommen zu werden, wie ich bin.
Aber wie können mich Menschen annehmen, wie ich bin, wenn ich ihnen nicht zeige, wer ich bin?

Verletzlich zu sein, ist die größte Angst, die uns treibt. Jeder geht damit anders um und entwickelt andere Mechanismen, sie zu unterdrücken und zu kaschieren. Aber letztlich ist es die tägliche Herausforderung, sich zu überlegen: wie verletzlich muss ich mich im Alltag zeigen, ohne verletzlich zu sein?
Denn verletzt zu werden, tut unglaublich weh.
Doch je erfolgreicher ich meine Verletzlichkeit verbergen kann, desto weniger werden Menschen mit mir in Beziehung gehen. Nur unsere Verletzlichkeit öffnet das Tor zu unserem Herzen, berührt andere Menschen und lässt sie mit ebensolcher Offenheit auf uns zugehen.
Es ist wie ein Kreislauf: zeige ich einen verletzlichen Teil von mir, traut sich auch der andere, einen verletzlichen Teil von sich preiszugeben. Umgekehrt wirkt es aber leider ebenso. Doch wenn wir tiefe Beziehungen zu Menschen anstreben, können wir dies nur erreichen, wenn wir den Mut aufbringen, verletzlich zu sein. Dann beginnen wir den Kreislauf der Liebe, in dem wir uns Vertrauen schenken und jeden Tag ein bisschen mehr von unserer liebenswürdigen Verletzlichkeit zeigen.

Wann zeige ich Verletzlichkeit? Wenn es mich Mut kostet, den Schritt zu gehen.
Wenn ich als erster “Ich liebe dich” sage. Wenn ich meinem Partner sage, dass ich mich unwohl fühle. Wenn ich über eine Fehlgeburt, Abtreibung oder den Tod eines nahen Menschen spreche. Wenn ich über meine Überforderung im Alltag spreche. Wenn ich meinem Chef, Kollegen oder Freund sage, wie sehr mich ein Satz verletzt hat. Wenn ich neu bin und eine unbekannte Person anspreche. Wenn ich kündige und meinen Herzenswunsch umsetze.

Glückliche Menschen führen tiefe Beziehungen. Und tiefe Beziehungen erhalten wir nur, wenn wir uns mit allem, was zu uns gehört, zeigen.

Wir haben täglich die Wahl, ob wir den Kreislauf der ängstlichen Distanzierung oder der tiefen Beziehung wählen. Und auch wenn wir auf dem Weg der Liebe sicher mehrmals verletzt werden, wird es uns doch von innen heraus stärken, denn die Beziehungen, die wir jetzt aufbauen, sind Menschen, vor denen wir uns nicht mehr verstecken oder verstellen müssen.

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