Neuralink – ist das unsere Zukunft?

Gestern wurde der aktuelle Stand des von Elon Musk gegründeten Unternehmens Neuralink vorgestellt. Ich möchte gar nicht so sehr auf die Technik eingehen. Die Beurteilung dessen überlasse ich den Experten. Ich möchte mich hier damit beschäftigen, für wie sinnvoll ich es halte, in das menschliche Gehirn einzugreifen und dort Daten zu erheben und einzuspeisen.

Was hat also Neuralink vor? Kurz gesagt: Sie wollen winzige Chips, an denen ultradünne Fäden hängen, ins Gehirn schießen, um dort im ersten Schritt die Signale der Nervenzellen abzufangen und nach außen zu übermitteln. Gestern wurde berichtet, dass dies bei Ratten bereits erprobt wurde und auf diese Weise eine neue Dimension der Datenerhebung im Gehirn ermöglicht wird. Langfristig ist nicht nur die Erhebung, sondern auch das Einspielen von Daten ins Gehirn geplant. Wir reden hier also von einer neuen Ebene der Computer-Mensch-Interaktion.

Elon Musk träumt davon, den Menschen perfekt mit den Möglichkeiten der Maschine zu verbinden. Bereits 2020 soll Neuralink soweit sein, die Technik an Menschen zu erproben.

Was steht uns also bevor?

Bei diesem Szenario stellen sich mir zwei Fragen:

  1. Was passiert mit den erhobenen Daten?
  2. Was wird da in unsere Köpfe eingespeist?

Der Fall “Edward Snowden” ist einige Jahre her. Seine Aufdeckungen 2013 hätten uns alle aufrütteln sollen. Stattdessen begann eine große Hetze und nur eine kleine Strohfeuer-Diskussion, was die heutige Datenerhebung für uns bedeutet. Eigentlich hätte vor sechs Jahren auch der letzte Gutgläubige auf dem Planeten begreifen müssen, dass Daten die neue Währung sind und dass jeder seine eigenen Daten schützen muss. Und ja: Die meisten, die ich frage, ob man seine Daten schützen sollte, bejahen dies.

Und dann kommt FaceApp im Jahre 2019. Und als hätte es Edward Snowden niemals gegeben, als wären Facebook, Google und Cambridge Analytica schon lange Geschichte, speisen Millionen Menschen ihre Gesichts- und Persönlichkeitsdaten in diese vollkommen hirnlose App. *why*????

Und das ist leider nur ein Beispiel für gedankenlosen Umgang mit personenbezogenen Daten.

Über den Fragen 1. und 2. sollte also stehen: Sind wir fähig, mit dieser Technologie umzugehen? Und dies würde ich – durch FaceApp erneut darin bestärkt – stark bezweifeln.

Durch Neuralink erhalten ungeprüfte, in einem Privatunternehmen arbeitende (und daher auch profitgetriebene) Menschen Zugang zu Milliarden Datensätzen, die darüber Aufschluss geben, woran ich gerade denke, ob ich etwas/eine Person mag, ob ich gerade die Wahrheit sage, welche Bereiche in meinem Gehirn für meine Beine oder meinen linken mittleren Zeh zuständig sind und vieles mehr. Wir brauchen auf einmal nicht mehr die Augenbewegung zu verfolgen, um zu prüfen, ob jemand auf eine Werbung reagiert. Wir erkennen es direkt in seiner Hirnaktivität.

So idealistisch Elon Musk auch sein mag: Er ist abhängig von Sponsoren, die ihr Geld wiederum nur hergeben, wenn sie sich irgendwann satte Gewinne daraus versprechen. Und wie bekomme ich aus einer Idee Geld? Indem ich etwas verkaufe. Und was kann hier am lukrativsten verkauft werden? Milliarden hochinteressanter Daten!

Wir haben bereits durch Edward Snowden gelernt (auch wenn es einige vergessen haben), wie viele Daten über jeden von uns erhoben werden und dass wir uns dagegen kaum schützen können. Und nach der Wahl von Donald Trump haben wir gelernt, dass diese Daten genutzt werden können, um Menschen und ihre Meinung zu manipulieren. Durch diese Technik fällt nun die letzte Rückzugsmöglichkeit, um meine Daten zu verbergen: die bewusste Wahl, welche Gedanken ich preisgeben möchte und welche nicht. Die eigene Gehirnaktivität kann vermutlich nicht mal der geübteste Mönch unterdrücken, wenn er einem Reiz ausgesetzt ist, der eine Interaktion hervorrufen soll. Wenn sich diese Chips in meinem Gehirn befinden, bin ich ein offenes Buch und habe keine Chance mehr, zu wählen, ob ich meine Empfindungen zu etwas teilen oder für mich behalten möchte. Würde jeder Mensch die Gedanken des Anderen in Echtzeit hören, befänden wir uns binnen weniger Wochen in einem weltweiten Krieg. Aus Eifersucht, Neid und Missgunst würden wir uns vermutlich sofort alle gegenseitig umbringen. Könnte man also unsere Hirnaktivität (durch Milliarden neuer Datensätze) in Gedanken übersetzen und daraus ablesen, was ich gut finde und was nicht, wäre dies ein massiver Eingriff in unsere Kommunikationsstruktur und würde Tür und Tor öffnen, Menschen bis in die tiefsten Ebenen zu manipulieren und zu lenken.

Aber richtig gruselig wird es, wenn wir uns das Szenario vorstellen, fremde Menschen könnten nach der Analyse der Erhebungsdaten auf umgekehrtem Wege Daten in unser Gehirn einspeisen. Wer kontrolliert das? Wer garantiert, dass diese Technologie niemals in missbrauchende Hände gelangt? Wer kann überhaupt beurteilen, welcher Mensch es missbräuchlich einsetzt? Wo beginnt denn Missbrauch? Ist es in Ordnung, straffällig gewordene Menschen mit neuen Daten zu “füllen”? Ist es in Ordnung, Pädophile einer Art Gehirnwäsche zu unterziehen, damit sie diese Neigung möglicherweise nicht mehr haben?

Der Mensch ist bisher nicht mehrheitlich in der Lage, sich frei von seinem Gut- und Böse-Denken zu machen, um tatsächlich einen neutralen Umgang mit einer solchen Technologie zu garantieren. Zu viele Interessen spielen eine Rolle, durch die diese Technologie zur Unterdrückung von Minderheiten oder sogar (bspw. vor einer Wahl) der Massen genutzt werden könnte. Natürlich nur in bester Absicht *hust*.

Mittlerweile gibt es einige Unternehmen, die an für die Menschheit sehr fragwürdigen Technologien arbeiten. Mein Lieblingsargument ist ja: Wenn wir es nicht tun, dann tun es andere, die damit böse Absichten verfolgen. Es liegt wohl in der Natur des Menschen, alles ausprobieren zu wollen, was in seiner Vorstellung möglich ist. Aber ist das wirklich Argument genug, es zu realisieren?

Albert Einstein bereute nach Abwurf der Atombombe über Hiroshima zutiefst, die Idee dieser Technologie initiiert zu haben. Und bis heute gibt es wenig, was wir der Atombombe an Nützlichkeit abgewinnen können. Sie führt zu einer surrealen Bedrohung, die unseren Planeten jederzeit zerstören könnte und die erneut von Menschen abhängt, die leider nicht gerade ein erwachsenes, besonnenes Bild in der Öffentlichkeit abgeben. Müssen wir erst die nächste Idee dieser Art in die Tat umsetzen, um zu begreifen, dass nicht alles umgesetzt werden muss, was theoretisch möglich ist?

Die möglichkeiten unseres Bewusstseins

Zu guter Letzt möchte ich noch auf das Thema Bewusstsein eingehen.

Vor einiger Zeit sah ich einen Bericht über den Einsatz von VR-Brillen in der Psychotherapie. An der UniTyLab der Hochschule Heilbronn werden gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung die Einsatzmöglichkeiten getestet, um sie flächendeckend in psychiatrischen Ambulanzen einzusetzen, statt bspw. Phobien mit der (zeitaufwendigen) Konfrontation in der Realität zu bearbeiten.

Ehrlich gesagt: Ich musste bei diesem Bericht schmunzeln. Da wird eine sehr teure Technologie benutzt, um den Menschen virtuell in eine bestimmte Situation zu versetzen und Ängste oder Muster aufzulösen. Und das wird dann als große Innovation bezeichnet. Klingt erstmal verständlich und fortschrittlich.

Der Witz an dieser Geschichte ist, dass der Mensch schon seit Ewigkeiten in der Lage ist, durch Hypnose genau denselben Effekt zu erreichen. Lange war Hypnose irgendwie etwas für Esoteriker. Heute wird es vermehrt in der Zahnmedizin oder bei Operationen eingesetzt, weil man die Wirksamkeit doch nicht leugnen kann. Die Anwendung von Hypnose findet sich bereits in Schriften von vor 6000 Jahren! Allerdings ohne aufwendige (teure) Brille auf der Nase und spezielle (teure) Räume. Jeder Hypnosetherapeut oder Hypnose erprobte Mensch müsste bei der Beschreibung dieser Forschungseinheit in lautes Gelächter ausbrechen.

Und daher ist mir die Vision von Neuralink auch so fremd. Durch Hypnose und tiefe Meditation habe ich erfahren, wie stark ich selbst in mein Bewusstsein eingreifen und meine Körperfunktionen steuern kann. Auch kenne ich Berichte von Menschen, die auf diese Weise nach einem schweren Unfall ihre noch intakte Gehirnhälfte so intensiv trainieren konnten, dass sie fast alle Körperfunktionen zurückerlangten. Ein medizinisches Wunder! Aber wer an die Kraft des Bewusstseins glaubt, für den ist dies reine Logik. Natürlich geht das nicht von heute auf morgen. Das kann mehrere Jahre dauern. Dennoch würde ich persönlich lieber das in Kauf nehmen, als mein Gehirn mit Chips zu versehen, deren Wirkung auf Zellebene noch nicht bekannt ist und die mich manipulierbar machen. Sind meine intakten Körperfunktionen wichtiger als mein freies Bewusstsein? Oder ganz überspitzt ausgedrückt: Verkaufe ich lieber meine Seele und meinen freien Willen als behindert weiterzuleben?

Wenn es also darum geht, behinderten Menschen zu helfen, würde ich mir wünschen, weiter die Möglichkeiten unseres Bewusstseins zu erforschen, ehe wir künstlich in den Körper eingreifen. Ebenso berichten immer Menschen davon, sich bewusst in einen Zustand tiefer Verbundenheit begeben zu können und dort Wissen zugänglich zu haben, das sie zuvor nicht zur Verfügung hatten. Auch die Vision, uns durch Maschinen ein Wissensupgrade à la Matrix zu geben, klingt für mich daher nicht besonders verlockend.

Was wir durch die bewusste Einflussnahme auf unseren Geist erreichen können, ist laut vielen Menschen grenzenlos und noch kaum erforscht. Dennoch rennen wir lieber einer Technologie hinterher und halten sie für den Heiligen Gral, als alte Methoden der Menschheit unter die Lupe zu nehmen und der Genialität der Evolution und dem daraus entstandenen Bewusstsein zu vertrauen.

Ich bin also gespannt, wohin unsere Reise geht, und hoffe, dass die Menschheit im entscheidenden Moment die richtige Abbiegung nimmt, um uns nicht allesamt in eine Welt zu führen, die nur noch unter großer Anstrengung lebenswert ist.

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