Systemische Familienaufstellung

Kernelement meiner Arbeit sind die Methode und Erkenntnisse des Neuen Familienstellens. Weiterführend erläutere ich die Entstehung der Methode, wie ich dazu kam und wieso ich sie für die effektivste und effizienteste Methode des Coachings halte.

Der Text ist auch zum Anhören verfügbar

Wem dient eine Familienaufstellung?

  • Familien: bei allen Arten von Konflikten
  • Paaren: zur Erhaltung und Verbesserung der Beziehung
  • Kindern: bei allen Arten von Problemen – Schulproblemen, Krankheit, Aggressivität, ADHS,  Süchten, Mobbing
  • Krankheit: die Hintergründe von Gesundheit und Krankheit
  • Beruf/Arbeit: bei Konflikten oder Erfolglosigkeit als Angestellter oder Selbstständiger
  • Business & Management: Kommunikation, Hierarchie, Entscheidungsfragen

Wie entstand die Methode?

Seit 1982 entwickelt Bert Hellinger (1925-2019) die Familienaufstellung, die sich aus verschiedenen therapeutischen Methoden entwickelte, die er zuvor praktizierte. Es ist eine Methode der Praxis, weil sie sich fortlaufend aus den daraus gewonnenen Erkenntnissen weiterentwickelt. Sie folgt stets der Rückmeldung der Klienten und nicht einer festgelegten Theorie. 1998 veröffentlichte er sein erstes Video zu dieser neuen Methode. Seitdem sind alle Seminare öffentlich auf Video/DVD verfügbar. Dies ist einzigartig: Kein Therapeut, Psychologe oder Psychiater stellt seine Sitzungen der Öffentlichkeit zur Verfügung, da therapeutische Methode für den Leihen oft nicht sofort nachvollziehbar sind.

Bert Hellinger nennt die Methode von damals die “klassische Familienaufstellung”. Im Kern besteht sie darin, dass ein Klient mit einem Anliegen zu einem Aufstellungsleiter in einem Seminar kommt und für seine Thematik relevante Personen durch Stellvertreter im Raum aufgestellt werden. Damals war diese Vorgehensweise bahnbrechend, da zuvor in der therapeutischen Methode des Rollenspiels die echten Betroffenen – mit denen man sich ja im Konflikt befand – anwesend sein mussten. Hellinger fand heraus, dass die Stellvertreter nicht nur wie Figuren auf einem Brett fungierten, sondern die gleichen Gefühle und Bewegungen, sogar Schmerzen im Körper aufwiesen wie die echten Personen. Dieses Phänomen wird heute von Physikern und Biologen mit dem morphischen Feld begründet. Die Forschung steht hier allerdings noch am Beginn ihrer Erkenntnisse. Darüber hinaus fand er heraus, dass Menschen nicht nur durch Probleme aus ihrem eigenen Leben und Erleben, sondern auch durch übernommene Ängste, Wut und Trauer ihrer Familie belastet sind. Erst wenn das gesamte System über mehrere Generationen betrachtet wird, kann die Ursache der inneren Belastung einer Einzelperson erkannt und nachhaltig gelöst werden.

Hellinger führt seitdem Hunderte Familienaufstellungen pro Jahr durch und weist daher einen einmaligen Erfahrungsschatz auf, der es ihm ermöglicht, die Methode weiterzuentwickeln und wiederkehrende Muster bzw. Erkenntnisse zur Dynamik von Gruppen und Einzelpersonen daraus abzuleiten. Er nennt die drei wesentlichen Prinzipien heute Ordnungen der Liebe oder Lebensbasisprinzipien. Werden sie verletzt, entstehen Konflikte bis hin zu psychosomatischen Krankheiten.

Ab 2003 wurde Hellinger in Deutschland massiv mit Falschbezichtigungen konfrontiert, die bis heute mit Vorliebe in Zeitschriften und im Internet zitiert werden, während er sich international großer Beliebtheit erfreut und weiterhin in allen Ländern der Welt – auch Deutschland – Groß-Seminare mit Teilnehmern aus 45 Ländern und Live-Übersetzung in 10 Sprachen durchführt. Wer dazu die Zusammenhänge und Fakten erfahren möchte, sollte die 2018 im ARISTON Verlag erschienene Biographie Hellingers lesen.

Ich gehe deshalb so intensiv auf Hellinger ein, da er die Methode durch seinen Erfahrungsschatz aufgebaut und in unvergleichlichem Maße weiterentwickelt hat. Gleichzeitig spaltete sich 2003 eine große Mehrheit der Aufstellungsleiter von ihm ab und nannte die Methode von da an konstruktivistische Familienaufstellung. Es handelt sich dabei primär um Hellingers anfängliche Vorgehensweise bei einer Familienaufstellung. Das heißt, Stellvertreter werden aufgestellt und der Aufstellungsleiter führt die Aufstellung durch Befragung der Stellvertreter und finales Zurechtrücken, bis sich eine Art “gutes Zielbild” ergibt. Es wird also “konstruiert”, was der Aufstellungsleiter für richtig hält.

Seit 2008 veränderte sich Hellingers Vorgehensweise jedoch signifikant – insbesondere durch die Beobachtungen seiner Frau. Von da an entwickelte er das Neue geistige Familienstellen. Es zeichnet sich dadurch aus, dass nur noch sehr wenige Stellvertreter aufgestellt werden und der Aufstellungsleiter so gut wie gar nicht eingreift, sondern die Stellvertreter ohne Hintergrundwissen des Klienten durch ihre innere Bewegung führen lässt, die heute mit der Verbindung zum morphischen Feld begründet wird.

Wie kam ich zur Familienaufstellung?

Meine Mutter begann zeitgleich mit meiner Geburt, sich als Therapeutin mit Familienaufstellungen auseinanderzusetzen und zahlreiche Seminare und Fortbildungen zu besuchen, bei denen ich immer anwesend war. Ich wuchs also in diesem Feld auf. Doch erst als ich mit 14 Jahren an Magersucht und Bulimie erkrankte, setzte ich mich aktiv damit auseinander. Im Verlauf meiner Krankheitsgeschichte durchlief ich die Prozesse zahlreicher therapeutischer Methoden, arbeitete mit unterschiedlichen Therapeuten, Ärzten, Psychologen und Psychiatern zusammen und verbrachte zwei Monate in einer psychosomatischen Klinik. Ich lernte also den gesamten schulmedizinischen Apparat und alles, was die Krankenkasse bezahlte, kennen.

Alle diese Methoden hatten nahezu keinen Effekt auf meine Sucht, teilweise verschlimmerten sie sogar die Problematik, weil in der klassischen Psychologie die Mutter als Verursacherin einer Essstörung gilt und somit mehrfach versucht wurde, unsere Beziehung zu zerstören oder wenigstens zu distanzieren. Wenn ich diesem Ratschlag folgte, erlebte ich anschließend eine Phase des heftigen Sucht-Rückschlags, in der ich mich komplett zurückzog und mein Tag wochenlang nur noch aus Fressen und Erbrechen bestand.

All diesen Personen war eines gemein: Sie ließen sich durch Worte und ihr festgelegtes Theoriewissen lenken.

So verbrachte ich viel Zeit in der tiefenpsychologischen Analyse meines Lebens damit, Ereignisse zu suchen, die mich in die Sucht getrieben haben könnten. Wenn man erstmal sucht, findet man natürlich auch konstruierte Situationen. Aber ehrlicherweise gab es kein solches Ereignis. In der Verhaltenstherapie brachte man mir verschiedene Methoden bei, anders mit schwierigen Situationen umzugehen, doch auch dies hatte keinen Effekt, weil die Ursache damit nie bearbeitet wurde. Zugleich war ich nicht nur sehr aufmerksam und sensibel, sondern auch psychologisch in hohem Maße seit meiner Kindheit gebildet. Ich wusste also nach wenigen Minuten, wie ich dem Fachpersonal schmeicheln musste, um ihnen ein Erfolgserlebnis in meiner Therapie zu vermitteln und dafür zu sorgen, dass sie mich mit meiner Krankheit in Ruhe ließen. Warum war das möglich? Weil sie sich von Worten ablenken ließen. Sie waren blind für den Schmerz, der mich innerlich zerriss. Sie folgten nur ihren Lehrplänen und meiner verbalen Rückmeldung. Da ich in allen anderen Lebensbereichen sehr erfolgreich war – Schule, Sport, Freunde… – war es ein Leichtes für mich, sie von meiner Genesung zu überzeugen.

Einzig bei Familienaufstellungen nahm ich jedes Mal einen großen Erkenntnisgewinn in unschlagbar kurzer Zeit – der Dauer einer Aufstellung – mit. In den ganzen Jahren meiner Leidensgeschichte gab es keine andere Methode, die dermaßen effizient, ziel- und zukunftsgerichtet funktionierte und Resultate erbrachte.

Dennoch stellt sich die Frage, warum ich sieben Jahre brauchte, um meine Essstörung zu bewältigen, obwohl ich doch von Anfang an durch Familienaufstellungen begleitet wurde.

Wieso arbeite ich mit dem Neuen geistigen Familienstellen?

Ich war zwar seit 2002 mehrfach bei Seminaren von Hellinger, stellte dort jedoch nie selber als Klient auf. Sie dienten für mich als Fortbildung, da die Seminare nie kleiner als 200 Teilnehmer sind und entsprechend nur einige Teilnehmer drankommen. Die Aufsteller, bei denen ich aufstellte, arbeiteten alle nach dem klassischen Familienaufstellen und bildeten sich nur gering nach den neuen Erkenntnissen Hellingers fort. Bis heute gibt es nur wenige, die nach Hellingers Methode arbeiten, weil weiterhin die Verleumdungen im Internet und der Öffentlichkeit kursieren.

Wie ich bereits erläuterte, greift der Aufstellungsleiter nach der konstruktivistischen Methode sehr stark ein. Sie leiten meist kleinere Seminare und kennen ihre Klienten und deren Lebenssituation bereits vom Einzelcoaching sehr gut. Auch hier findet sich wieder das Phänomen, dass sich die Leiter von Worten sowie ihrem persönlichen Welt- und Lehrbild lenken lassen. Das kann zu einer schwerwiegenden Einflussnahme auf den Lösungsprozess des Klienten führen.

Genau dieser Fall trat bei mir ein. Warum?

Ich bin Kind einer Patchworkfamilie, in der sich mein Vater jedoch nie von seiner ersten Frau trennte. So lebte meine Mutter 20 Jahre lang als Geliebte mit ihm in einer Paarbeziehung, natürlich in der Hoffnung, er würde diese Situation irgendwann auflösen. Wir besuchten ihn regelmäßig, fuhren auch gemeinsam in den Urlaub, lebten aber ansonsten zu zweit.

Schon die Wertschätzung einer Alleinerziehenden ist in unserer Gesellschaft mehr als geringfügig. Doch das Dasein als Geliebte wird so ziemlich von allen Personengruppen abgelehnt und verurteilt.

Wenn ich nun mit Therapeuten oder Familienaufstellern arbeitete, die sich nicht von ihrem Weltbild und ihrer Vorverurteilung frei machen konnten, beförderten sie mich in eine Situation, in der ich meine Mutter abzulehnen oder auszuschließen hatte, um mich als braves Mädchen in die Reihe meiner Schwestern und deren Eltern zu begeben. Auch wenn offensichtlich die Ehefrau meines Vaters nicht meine Mutter war. Das Zielbild war für alle, dass mein Vater in Ruhe mit seiner Ehefrau und seinen drei Kindern leben konnte und meine Mutter sich als Störenfried und Familienzerstörerin zurückzuziehen hatte.

Jedes Mal, wenn eine therapeutisch mit mir arbeitende Person dieses Bild in mir konstruierte, führte es anschließend monatelang zu heftigen Konflikten mit meiner Mutter – ich sollte sie ja ablehnen und mich vorwiegend zu meinem Vater zugehörig fühlen. Dies hatte wiederum einen direkten Einfluss auf mein Suchtverhalten. Ich konnte den Konflikt in mir, dass ich sowohl meinen Vater als auch meine Mutter bedingungslos liebte, nicht auflösen. So geriet ich tiefer und tiefer in die Sucht, um mit dem inneren Schmerz umzugehen.

Und dann stellte ich 2009 endlich selber bei Hellinger auf. Wie es im Neuen geistigen Familienstellen üblich ist, nannte ich ihm mein Anliegen nur in Form eines kurzen Satzes. Binnen 30 Minuten kam die Ursache meiner Krankheit ans Licht, ohne dass er Einfluss nahm oder versuchte, mir eine Meinung aufzudrücken.

Die Ursache war, dass ich die Trauer und Schuldgefühle meines Vaters und seiner Ehefrau übernommen hatte, die vor mir ein Kind abgetrieben hatten. Daher stammte mein Gefühl, schuldig und falsch zu sein und in einem fremden Körper zu leben. Die richtige Position in der Geschwisterreihe, also die Kenntnis über alle Fehlgeburten, Abtreibungen, toten und außerehelichen Kinder ist eine Grunderkenntnis des Neuen Familienstellens. Keiner der vorigen Familienaufsteller hatte dies berücksichtigt. Und jede noch so lange tiefenpsychologische Analyse hätte hier keinen Erfolg, da ich bis dahin gar nicht von diesem Kind wusste. Erst nach der Aufstellung sprach ich mit meinem Vater darüber und erfuhr offiziell davon, was in der Aufstellung bereits zu sehen war.

Ein essenzieller Grundsatz Hellingers Arbeit ist es, sich vor jeder Aufstellung komplett frei von Bewertungen, Lehrplänen und Wertvorstellungen zu machen, denn nur so kann er erspüren, was wirklich in der Tiefe wirkt. Darüber hinaus ist es nicht möglich, ihn durch Worte abzulenken, da er so tief mit seiner inneren Wahrnehmung verbunden ist, dass er eine oberflächliche Problembeschreibung erkennt und den Klienten im Zweifel unterbricht, um das Wesentliche sichtbar zu machen. Genau das macht seine Vorgehensweise so einzigartig und effizient und unterscheidet ihn von allen mir bekannten Beratern.

Nach dieser Aufstellung besserte sich meine Symptomatik schlagartig. Nun war ich frei, um die Verantwortung für mein Leben zu übernehmen, in meine positive Zukunft zu schauen und mein jahrelang eingeübtes Verhaltensmuster Schritt für Schritt zu ändern. Es dauerte noch ein Jahr, bis ich ganz davon frei war, doch ohne das Erkennen und Auflösen der Ursache hätte es möglicherweise nie ein Ende gefunden.

Seit 2009 arbeite ich nun in allen Lebensbereichen begleitet durch eine großartige, weise Mentorin mit der inneren Bewegung des Neuen geistigen Familienstellens.

Ich führe diese Methode mittlerweile auch ohne Stellvertreter durch, da sich meine Wahrnehmung in diesem Prozess so sehr verfeinert hat, dass ich alle wichtigen Erkenntnisse innerlich erarbeiten kann. Durch über 15 Jahre Erfahrung mit systemischen Familienaufstellungen und dem eigenen Erleben, was wirkt, wende ich sie nun ebenso wertfrei und in Verbindung mit meiner Wahrnehmung bei meinen Klienten in Einzelcoachings und Seminaren an. Der Vorteil liegt insbesondere darin, dass eine Veränderung schon nach einer Sitzung zu spüren ist und meine Klienten nicht ihre gesamte Lebensgeschichte erzählen müssen, ehe wir beginnen können. Eine Aufstellung hat eine lange Wirkungsdauer des Wachstums und erfordert kein jahrelanges Coaching zu einer Thematik.

Interview mit Hellingers Frau Sophie Hellinger über das neue geistige Familienstellen.

Weiterführender Artikel: Die Unterschiede zwischen klassischer Familienaufstellung und dem Neuen geistigen Familienstellen

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