Welche systemische Ursache hat Magersucht?

Ich beantworte hier die Anfrage einer Kundin. Es sind Hinweise, die im persönlichen Gespräch tiefergehend betrachtet werden müssen. Diese Zusammenhänge stammen aus dem Neuen Familienstellen, mit dem ich arbeite. Bei jedem Menschen gilt jedoch: Ich öffne mich für das, was da ist, und mache mich vollkommen frei von allem Gelernten. Das Wissen über diese sehr häufig aufgetretenen familiären Verstrickungen sind ein Hinweis, sollten aber immer erneut geprüft werden. Es handelt sich dabei um eine Verstrickung der Seele, die nicht auf rationaler Ebene geschieht. Ich spreche immer von Verstrickung, weil es nicht die eine Ursache gibt, sondern es eine liebende Verbindung zu einer Person darstellt, die in der betroffenen Person zu fremden Gefühlen und einem schädigenden Verhalten führt.

Was ich jetzt beschreibe, ist eine abstrakte, sehr umfängliche Sichtweise, deren Tiefe verständlich wird, wenn man viele solcher Fälle live gesehen hat. Erstmal ist es wichtig, dass wir niemanden retten können. Die Bewegung der Seele erfüllt einen Sinn im Familiensystem der betroffenen Person. Die Seele sucht nach Ausgleich, und der Sog in den Tod ist zwar aus unserer Sicht furchtbar, aber für die Person ist es leider oft eine (gefühlte) Erlösung. Bildlich könnte man sagen, dass es ihre Seele zu einer verstorbenen Person hinzieht. Und so ist es gefühlt die größere Qual, von dieser Person getrennt zu sein, als tot bei ihr sein zu können (so ist die kindliche Vorstellung). Das findet immer statt, wenn ein Mensch in einer kindlichen Rolle zu den Eltern steckenbleibt. Nur das Ausmaß des Leidens variiert. Magersucht bedeutet immer: „Lieber sterbe ich als du“. Das ist jetzt schon ziemlich anspruchsvoll. Gemeint ist damit, dass eine magersüchtige Person spürt, dass es ein anderes Familienmitglied, meist Vater oder Mutter, aus welchen Gründen auch immer in den Tod zieht. Gründe könnten ein Schicksal durch den Krieg oder eine Abtreibung oder Fehlgeburt oder verstorbene Geschwister sein. Ein Kind übernimmt dann den Ausdruck dieses Gefühls und hungert sich unbewusst zu Tode. In der Regel hat eine solche Krankheit sofort den “Erfolg”, dass sich die ganze Familie um dieses Leiden kümmert und sich so von den eigenen Problemen ablenken kann. Und so verhindert die Krankheit des Kindes, dass bspw. die Eltern unbewusst über eine Form des schnellen oder langsamen Suizides (zB durch riskante Sportarten, massives Rauchen, Trinken etc) nachdenken. Wenn die Eltern zusätzlich ihrem Kind sagen: „Du bist Schuld!“ heißt das übersetzt für die Seele (also in seiner unbewussten Wirkung in der Tiefe): „Stirb für mich!“. Es bedeutet so viel, wie: “Ich übernehme nicht meine Verantwortung und trage nicht mein Schicksal, also übernimm du es für mich.” Da das Kind aber nie die Ursache für das erdrückende Gefühl des Vaters/der Mutter lösen kann, kann es nur sein Leben und oftmals seine Gesundheit dafür opfern. Wenn ein Mensch keine eigene Familie gründet und auch sonst nur schwer ins Leben findet, ist es immer der Ausdruck der Opferung für ein Familienmitglied, meist ein Elternteil. Sie opfert sich unbewusst in der Hoffnung, einen anderen dadurch retten zu können. Das kann sie natürlich nicht, aber diese Vorstellung steckt mittlerweile tief in unserer gesellschaftlichen DNA, solange wir kein neues Bewusstsein entwickeln.

Was kann man also mit der magersüchtigen Person tun?

Die Lösung in der Tiefe ist, dass man herausfindet, wer in der Familie durch einen frühen Tod, Mord oder ein „falsches“ Verhalten ausgeschlossen wurde. Das lässt sich meist nicht durch Fragen herausfinden. Ich arbeite dann mit dem morphischen Feld bzw. dem Neuen Familienstellen. Wenn diese Person gefunden ist, wird in einer Aufstellung sofort sichtbar, dass die magersüchtige Person um diese tabuisierte Person trauert, aber die Trauer eigentlich zu einem anderen Familienmitglied, vllt Mutter oder Vater, gehört. Der Weg besteht nun darin, dass wieder die richtige Person zu ihrer Trauer gelangt und die magersüchtige Person sich aus dieser Verstrickung löst, sich nicht mehr dafür verantwortlich fühlt und eine außenstehende Position einnehmen kann. Sie darf sich dann wieder als Kind ihrer Eltern fühlen und nicht mehr als die Verantwortliche für das Wohlergehen der Familie. Diese Lösung ist: vom kindlichen „Ich muss sie retten“ hin zum „Ich bin nur verantwortlich für mein eigenes Leben und sorge für mein Wohlergehen“.

Was kann ich als Außenstehender tun?

Als ersten Schritt kannst du dir die ausgeschlossene, vielleicht verstorbene Person vorstellen, um die die Familie in Wirklichkeit trauert. Du weißt natürlich nichts über sie. Stell es dir nur vor. Und dieser Person gibst du einen Platz in deinem Herzen. Stell dir vor, du sagst ihr: „Bei mir hast du einen Platz im Herzen. Ich sehe dich.“

Eine weitere Möglichkeit wäre, mit der magersüchtigen Person zu erarbeiten, dass sie niemanden durch ihren Tod rettet und dass sie nur für sich selbst und ihr Leben und Glück verantwortlich ist.

Noch eine dritte Möglichkeit wäre, zu fragen, ob es Abtreibungen oder unerwähnte Fehlgeburten oder im 2. Weltkrieg verschleppte Familienmitglieder gab. Wenn die Familien der magersüchtigen Person ein Familienunternehmen seit vielen Jahrzehnten besitzt, gibt es eine weitere Richtung, in die man fragen kann: Mehrfach wurde im Neuen Familienstellen gezeigt, dass Kinder (mittlerweile Erwachsene) sich zu Tode hungern, wenn Mitarbeiter im 2. WK in der Firma ausgebeutet wurden und sogar vielleicht dort gestorben sind. Auch das habe ich schon öfter erlebt.. wenn ihr da auf etwas stößt, wäre es der Weg, diese Trauer zu durchleben und sie dann an die wirklich Verantwortlichen abzugeben.

Ich hoffe, ich konnte dir hilfreiche Informationen mitgeben und freue mich auf jede weitere Frage, die ich hier für dich beantworten kann. Schreib mir gerne deine Frage, die ich anonymisiert beantworte, unter: leonie@reisezumbewusstsein.de

In Liebe Leonie


Möchtest du mehr über die Erkenntnisse der systemischen Familienaufstellung erfahren? Hier erhältst du eine auch für Laien verständliche Zusammenfassung, um diese für dein persönliches und berufliches Wachstum zu nutzen!

2 Kommentare zu „Welche systemische Ursache hat Magersucht?

  1. Sehr tiefgehende Zusammenhänge schneidest du an. Ich habe tatsächlich auch einige Klientinnen erlebt, bei denen das so zutraf. Ergänzend vielleicht noch, dass es auch ganz aktuelles “Gehen” eines Elternteils sein kann, das eine Magersucht beeinflusst oder sogar direkt auslöst: eine Krankheitsdiagnose zum Beispiel, oder das Damoklesschwert einer Trennung der Eltern. Die Frage ist also “wer will gehen?” Magersüchtige wollen dabei oft den sich entziehenden Elternteil halten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.