Wie gehe ich mit Trauer um?

Transformation

Ich durchlebe sie tief. Ich heule und schreie in mein Kissen, bis das Gefühl langsam schwächer wird.

Hilft es, in Trauer zu versinken?

Dazu erzähle ich euch meine eigene, sehr persönliche Geschichte. Sie beginnt traurig, doch wandelt sich mit jeder Zeile zu mehr Zuversicht und Stärke.

Vor drei Monaten haben wir unser drittes Kind im dritten Monat verloren. Für manche ist das noch kein Leben. Für Mutter und Vater schon.

Vor dem Haus der Ärztin brach ich in Tränen aus. Ich rief alle mir wichtigen Menschen an, konnte aber kaum einen Satz sagen, ohne zu weinen. Mein Mann kam, nahm mich in den Arm und kümmerte sich dann darum, den Tag mit den Kindern zu organisieren. Ich lief drei Stunden durch den Wald. Immer wieder weinte ich. Doch mit jeder Stunde spürte ich, dass die Tränen weniger wurden und mich wieder Zuversicht durchflutete. Am Abend war ich bereits soweit, normal sprechen und lachen zu können. Ich hatte erkannt, welch großes Wunder mein Körper vollbracht hatte, einen nicht lebensfähigen Menschen zu erkennen und gehen zu lassen. Dieses kleine Menschenkind hatte schon einen großen Dienst geleistet, obwohl es nicht geboren wurde.

Ich las die Zeilen aus meinem Buch, denn dort hatte ich mich bereits mit diesem Thema befasst und darüber geschrieben, ohne es erlebt zu haben. Schon damals hatte ich geweint. Die Worte wirkten wie Balsam für meine Seele und trafen das Gefühl exakt. Ich spürte erneut, wie der Schmerz mehr nachließ.

Am nächsten Tag war ich bereits so fit, dass ich nun meinem Mann beistehen konnte, als er realisierte, dass unser drittes Kind von uns gegangen war. Wir gingen abends gemeinsam essen und ich erzählte ihm meine Gedanken zu unserem Kind. Ich sagte zu ihm: “Ich möchte, dass wir diesen Tag jedes Jahr als unseren Familientag feiern. Es soll ein Tag der Freude werden, der uns immer daran erinnert, was für ein kostbares Geschenk unser Leben ist. Heute sehe ich unsere drei Kinder voller Stolz vor mir.” Und ohne dass ich damit gerechnet hatte, stiegen ihm plötzlich die Tränen in die Augen. Wir bezahlten und saßen lange auf einer Bank in der Dunkelheit. So traurig es war, so gefasst war ich doch und fühlte einfach nur unsere Verbundenheit und die Stärke, die wir in diesem Moment gemeinsam aufbauten.

Am dritten Tag wachte ich mit einem großen Strahlen auf. Erst dachte ich, jetzt wäre ich vollkommen verrückt geworden, denn ich musste ständig lachen und fühlte mich so stark wie selten zuvor. Freunde, die bereits von der Schwangerschaft wussten, sprachen mich an und teilten mir ihr Beileid mit. Doch statt traurig zu sein, war ich fröhlich. Ich irritierte die anderen, weil jeder von mir nach drei Tagen erwartete, immer noch zu trauern.

Am vierten Tag war ich dann mit einer Freundin verabredet, die vor zwei Monaten ihr zweites Kind bekommen hatte. Ein kleines, niedliches Baby. Ich freute mich unglaublich. Während die meisten Frauen den Kontakt zu Neugeborenen die ersten Monate oder länger meiden, machte mich dieses kleine Baby nicht traurig. Ich sah es an und freute mich unglaublich über dieses wundervolle Leben. Welch ein Wunder der Natur! Welch ein unglaubliches Geschenk!

Aus der tiefen Trauer wurde ich mit unglaublicher Stärke neugeboren. Als Paar hat es uns gestärkt und noch mehr zusammengeschweißt.

Jeder von uns ist fähig, Trauer hinter sich zu lassen. Wenn ich sie tief, ohne Scham durchlebe, bin ich binnen kürzester Zeit in der Lage, sie in unglaubliche Kraft zu verwandeln und voller Freude daran zu wachsen. Ich durchlebe sie in einem geschützten Raum und nehme mir dafür so viel Zeit, wie ich brauche. Trauer und Wut sind vollkommen in Ordnung. Für einen Moment. Dann lasse ich die Gefühle gehen. Sie dürfen da sein, aber ich wachse darüber hinaus. Dann ist der Schmerzkörper aufgelöst. Wenn ich nun an diese Situation denke, werde ich lächeln, weil die Erkenntnis, daran gewachsen zu sein, stärker ist als der damalige Schmerz.

Schau nicht weg. Schluck es nicht runter.

Durchlebe es in einem geschützten Raum und dann schau nach vorne und geh ganz in die Liebe!

Hinweis: diesen Artikel habe ich auch unter erziehungsluecke.de veröffentlicht

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